Einst und heute

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Geschichtliches

Im Feber 1893 wurde mit dem Bau der Bahnstrecke von Kapfenberg nach Au-Seewiesen begonnen. Trotz sehr schwieriger Verhältnisse wurde die Bahn nach nur 210 Tagen fertiggestellt. Zeitweise waren bis zu 1050 Arbeitskräfte beschäftigt. Am 31. Oktober 1893 wurde der Lokomotivbetrieb auf dem ersten Teil der Strecke aufgenommen, am 17. November erfolgte die erste Fahrt nach Thörl. Zwei Tage später erreichte erstmals eine Lokomotive den Endbahnhof Au-Seewiesen.

Die amtliche Erprobung erfolgte am 1. Dezember, die Brückenerprobung am Tag darauf und die technisch polizeiliche Prüfung am 6. Dezember. Die feierliche Eröffnung fand am 8. Dezember 1893 statt. Der Festzug verließ 11:15 Kapfenberg und erreichte Au-Seewiesen um 13:41.

Einige technische Daten zur Strecke: Derzeitige Länge: 20,14 km (2,7 km wurden Ende der 60er Jahre abgetragen), Spurweite: (Wie sollte es anders sein?) 760 mm, größte Steigung: 25 Promille, Höhenunterschied: 209 m, Höchstgeschwindigkeit 25 km/h.

Da die Bahnhöfe doch recht weit von den Ortschaften entfernt liegen, war die Bahn schon in den 50ern nicht mehr gegen den Bus konkurrenzfähig. Deshalb wurde der Personenverkehr schon am 15.3.59 eingestellt. Der Güterverkehr wurde noch bis vor kurzem (zumindest auf dem unteren Teil der Strecke) weitergeführt. Mit dem Ende der Drahtwerke Pengg hat aber inzwischen die Bahn ihren letzten Kunden verloren, was dazu führte, daß sich die Steiermärkische Landesbahn inzwischen komplett zurückgezogen hat und die Strecke am liebsten abtragen würde.

Der Verein Thörlerbahn

Bereits Ende 90 stand mit der Einstellung des Verkehrs oberhalb von Aflenz (der schönere Teil der Strecke) die Abtragung der Strecke bevor. Dies ließ etliche Eisenbahnfreunde nicht ruhen, die es schafften mit Unterstützung der umliegenden Gemeinden und der StLB einen Bummelzug einzurichten.

Am 19. September 1991 konnte erstmalig der Betrieb wieder aufgenommen werden. 1993 wurde feierlich die 100-Jahrfeier begangen. Als Lock diente damals die BH1, die heute noch in Kapfenberg zu sehen ist. (Leider nicht betriebsbereit.)

Mit einem schier unglaublichen persönlichen und finanziellen Einsatz seiner Mitglieder schaffte es der Verein, den oberen Teil der Strecke zu erhalten und einen historischen Zug, wie er früher einmal fuhr, zusammenzustellen. Die Lock Z6 (Thörl) bekam man als Dauerleihgabe vom Club 760 und ließ sie auf eigene Kosten in Brünn wieder in einen betriebsbereiten Zustand bringen. Darüberhinaus rekonstruierte man mit viel Liebe zwei originale Wagen: Die Achterlclasse (der Buffetwagen) und die kombinierte erste und dritte Classe. Zu Pfingsten 95 war es dann soweit, die Thörl nahm auf ihrer Heimatstrecke den Betrieb auf.

Ehrensache, daß alle Arbeiten von Mitgliedern des Vereins erledigt werden. Selbst Schaffner, Heizer und Lockführer arbeiten ehrenamtlich. Dies ist bemerkenswert, da selbstverständlich auch die Thörlerbahn den Verkehrsvorschriften unterliegt, und alle Beteiligten die entsprechenden Prüfungen absolvieren mussten!

Dieses Engagement ist auch für jeden Eisenbahnfreund, der sich bei einer Fahrt mit den Mitgliedern des Vereins unterhält sofort spürbar und mitreißend. Wünschen wir der Thörlerbahn noch eine lange Zukunft...

Die Zukunft???

Die drei Fragezeichen kommen leider nicht von ungefähr. Wie die meisten Localbahnen kämpft auch die Thörlerbahn ums nackte Überleben. So schrieb die Kronenzeitung am 14.5.97:

"Der Thörlerbahn droht das Ende: Verein kämpft um Bummelzug"

und die Kleine Zeitung am 13.5.97:

"10.000 Unterschriften für den Erhalt der Thörlerbahn"

Reden wir nicht um den heißen Brei herum, es ist jedes Jahr eine Zitterpartie, ob der Betrieb wieder aufgenommen werden kann! (1998 hat es wieder geklappt, Sie glauben nicht, wie froh ich darüber war!) Natürlich will niemand der Totengräber der Bahn sein, aber praktisch wäre ihr Verschwinden allemal. Man könnte problemlos die streckenweise parallel laufende Bundesstraße verbreitern (Zwischen Salzburg und Bad Ischl...), oder auf der ehemaligen Bahntrasse einen Radlweg anlegen (z.B. Birkfeld-Ratten...). Man könnte also viel Geld sparen! Aber ehrlich gesagt, wegen eines Radlweges fahre ich nicht extra ins Mürztal!!! Und wenn ich dort bin habe ich auch Hunger, Durst und muß irgendwo schlafen! Daran sollten die Herren Kommunalpolitiker auch mal denken.

Der komplette Rückzug der StLB von der Strecke macht die Situation noch verfahrener! Also kommen Sie am besten heuer nach Kapfenberg, wer weiß ob sie 99 noch fährt.

Trotzdem, man darf die Hoffnung nie aufgeben: Auf die Zukunft!!!


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